Herbst im Dovrefjell

Im norwegischen Hochland ist der Herbst Ende September bereits voll angekommen! Wir dürfen den Dovrefjell-Nationalpark in den schönsten Farben geniessen und machen uns auf die Suche nach Tieren, die wie ein Überbleisel aus der letzten Eiszeit scheinen.

Die Legende um den Berg Snøhetta

Der markante Berg ist mit 2286m der höchste Punkt im Dovrefjell Nationalpark und auch Norwegens höchster Gipfel ausserhalb des Jotunheimens. Die offizielle Erstbesteigung wurde im Jahre 1798 registiert, doch die Legende besagt, dass der Berg bereits zu Zeiten der Wikinger mehrmals erklommen wurde. Diese Prüfung war allerdings nur den härtesten Kriegern vorbehalten. Bereits der Weg von der Küste ins Landesinnere dauerte mehrere Wochen, ganz zu schweigen von den berüchtigten, harten Wetterbedigungen. Während manch einer von dieser Reise nicht mehr zurück kehrte, so erwies sich im Gegenzug jener, der es schaffte, Wind und Wetter zu trotzen und den Gipfel zu erklimmen, würdig als künftiger Wikingerkönig.

Wir müssen uns heute keinen gröberen Prüfungen stellen (mal abgesehen von einer etwas abenteuerlichen Bachüberquerung…), da wir einerseits einen Prachtstag erwischt haben und andererseits keine königlichen Absichten hegen. Unser Hauptziel ist es, die hier lebenden Moschusochsen zu finden und fotografieren. Da sich diese im rund 1700km2 grossen Nationalpark frei bewegen, ist dies zwangsweise nur mit einigen Stunden wandern realisierbar. Gut so, denn so können wir die imposante Landschaft in den schönsten Herbstfarben so richtig geniessen!

Tier mit Fell wie ein Bart
(Innuit: Moschusochse = Umimmaq, von umik = Bart)

Die bis zu 1,50m hohen und 400kg schweren Tiere sind Bewohner der arktischen Tundra und heute noch in Grönland, Kanada und Alaska verbreitet. Vor rund 70 Jahren wurden einige Tiere aus Grönland im Dovrefjell wiederangesiedelt. Mit Erfolg: die Herde zählt heute über 300 Tiere.

Sie zu finden ist mit etwas Geduld und einem Fernglas nicht sehr schwer. Sich ihnen auf Fotodistanz zu nähren, schon eher. Vielleicht täuscht ihre gemütliche Ausstrahlung etwas darüber hinweg, dass sie doch Wildtiere sind, denen man mit dem nötigen Respekt begegnen sollte. Nicht selten passiert es nämlich, dass Wanderer oder Fotografen die Fluchtdistanz der Tiere (mind. 100 Meter!) nicht einhalten und von ihnen attakiert werden. Dies dürfte auch der Grund sein, dass zur Zeit diskutiert wird, ob man künftig nur noch mit einem lokalen Guide Touren machen darf (meine Empfehlung wäre an der Stelle Oppdal Safari).

Zum Schluss eine traurige Geschichte

Bereits mehrere Stunden haben wir zwei Moschusochsen beobachtet und werden nun Zeuge, wie sie sich mit einer anderen, etwas grösseren Gruppe treffen. Dabei brummen sie etwas unheimlich – eine Art „Kontaktgeräusch“, wie uns unser Guide erklärt. Die Gruppen scheinen sich friedlich gesinnt und jene Tiere auf der anderen Flusseite gesellen sich zu den Neuankömmlingen. Vorsichtig folgen wir ihnen und entdecken dabei plötzlich ein schlafendes Jungtier. Beim Näherkommen müssen wir leider feststellen, dass es nicht schläft, sondern tot ist. Wie wir später erfahren, ist es wohl an einem bei Jungtieren manchmal auftretendem Lungenversagen gestroben und zwar nur wenige Stunden bevor wir es fanden. Plötzlich merken wir, dass ein Moschusochse sich von der Gruppe getrennt hat und ziemlich rasch auf uns zukommt. Schleunigst ziehen wir uns zurück, denn offensichtlich ist dies das Muttertier, welches ihr Junges immernoch schützen will! Aus sicherer Distanz mache ich schlussendlich noch jenes Foto, welches mich auch beim nachträglichen Betrachten immernoch tief berührt. Können Tiere Traurigkeit empfinden? Wenn ich in die Augen dieser Moschusochsen-Mutter sehe, glaube ich die Anwort zu kennen…

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