Frühjahrsmüdigkeit

Wahrscheinlich kennen es nicht nur die Fotografen unter euch: es gibt Phasen im Leben, in denen man einfach weder Energie noch Lust findet, seiner Passion nachzukommen. Kreative Löcher, Schaffenskrisen… nennt es wie ihr wollt. Wie ich damit umgehe, möchte ich diesem etwas persönlicheren Blogbeitrag kurz erläutern.

Vom Neuseeländischen Herbst bin ich vor einigen Wochen direkt in den Schweizer Frühling heimgekehrt, vollbepackt mit tollen Erlebnissen, Erinnerungen und einigen Gigabyte an Bildmaterial. Meine Motivation jedoch schien ich irgendwie am anderen Ende der Welt vergessen zu haben. So hatte ich nicht nur den längsten Jetlag meines Lebens sondern spürte auch förmlich, wie sich mein Geist dagegen sträubte, wieder in den Alltag zurück zu kehren.

Die „Jahrhundert-Bluescht“ im Baselbiet habe ich komplett verpasst. Ich konnte mich einfach nicht aufraffen und hatte ehrlich gesagt auch keine Lust auf die vielen Menschen, die mit oder ohne Kamera um die blühnenden Bäume wuseln. Auch die Krokusse liessen mich kalt. Mit meinem „Fast-Nachbarn“ Martin Mägli wollte ich ein Fuchsprojekt starten. Beide hatten wir zunächst aussichtsreiche Fuchsbauten im Visier, beide jedoch bis heute nicht von Erfolg gekrönt – das Projekt droht zu scheitern. Als letzte Woche ein Gewitter übers Emmental fegte, denke ich noch: jetzt solltest du eigentlich hoch aufs Chuderhüsi, bestimmt gibts kurz vor Sonnenuntergang einen Regenbogen. Ja, ich sah diesen Regenbogen später dann auch: im Instagram-Feed anderer Fotografen, während ich zu Hause am Sofa angewachsen schien.

Irgendwann kommt dann also die Erkenntnis, dass sich wohl so etwas wie eine „Fotomüdigkeit“ eingestellt hat. Mit einigen Jahren Erfahrung kann ich sagen, dass mir das nicht zum erste Mal passiert und es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit von selbst wieder vorbei geht. Als Hobbyfotografin hat mich sowas darum auch überhaupt nicht gestresst. Mittlerweile, als (Teil-)Selbständige mache ich mir etwas mehr Gedanken. Heikel dürfte es werden, wenn man wirklich finanziell auf die Fotografie angewiesen ist. Dies ist mit ein Grund, weshalb ich zu viel Respekt davor hätte, meinen Lebensunterhalt ausschliesslich durch die Fotografie zu bestreiten.

Was also hilft mir in solchen Momenten? Und das ist jetzt sicherlich sehr individuell, aber bei mir gibt es eigentlich nur ein Rezept: Back to the roots! Mich auf das besinnen, was ich wirklich liebe, woran ich Freude habe. Bei mir ist und war das immer das ungezwungene draussen in der Natur sein. Die Freiheit zu haben, das zu machen, worauf ich Lust habe. Statt um 04.00 Uhr morgens mit dem Zielfoto im Kopf aufzustehen, einen entspannten Tagesausflug zu den Steinböcken machen. Oder einen spontanen Spatziergang durch den Wald und dabei das fotografieren, was einem gerade vor die Linse kommt. Ohne Zwang, ohne Druck, ohne „enttäuscht“ zu sein, wenn halt auf diesem Ausflug kein Bild entsteht. Dafür positiv überrascht, wenn man plötzlich im Nachbardorf auch blühende Obstbäume entdeckt oder einem statt Jungfüchse am hellichten Tag ein Igel über den Weg läuft.

Was mir grundsätzlich hilft, gedanklich etwas aus dem „Altagstrott“ auszubrechen, ist Sachen zu planen, auf die ich mich dann wochen- oder monatelang freuen kann! So werde ich beispielsweise diesen Herbst endlich wieder einmal nach Grossbritanien gehen und dort vielleicht auch die Hirschbrunft fotografieren. Ausserdem habe ich die letzten Tage diverse Berghütten reserviert, in denen ich mit Freunden nach schönen Touren nächtigen werde. Bestimmt wird meine Fotoausrüstung ebenfalls im Wanderrucksack Platz finden und ich freue mich auf das ein oder andere schöne Foto – aber eben auch hier wieder: ungezwungen. Ich habe den Luxus, mir das leisten zu können. So stehe ich meiner aktuellen Frühjahrsmüdigkeit entspannt gegenüber und freue mich aufs Erwachen!

2 Kommentare

  1. 22. Mai 2018
    Antworten

    Hallo Mel. Ich kann deine Gefühle und Worte absolut nachvollziehen. Es ist wohl einfach nur natürlich und das Normalste, dass man nicht immer überall sein kann und will. Die Erlebnisse aus Neuseeland müssen bestimmt auch noch verarbeitet werden;). Dein Rezept passt wunderbar – einfach das machen was einem Spass macht ohne sich weiter Gedanken zu machen. Ein Luxus den man sich ruhig gönnen kann..:). Wünsch dir schon jetzt viel Spass bei deinen geplanten Touren. Herzliche Grüsse, Oliver

    • 28. Mai 2018
      Antworten

      Vielen Dank für deinen Kommentar; hab ihn erst jetzt gesehen. Du hast absolut Recht, Neuseeland ist halt einfach eine Wucht (…kennst du ja…) und irgendwie war/bin ich wohl grad etwas „übersättigt“ 😀

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