That Wanaka Tree

Er ist mit Sicherheit der meist fotografierteste Baum Neuseelands, wenn nicht sogar der Welt. Kaum zu glauben, dass ich ihn bei meinem ersten Besuch in Wanaka vor fast 10 Jahren „übersehen“ habe. Social Media sei Dank, kann einem das heutzutage kaum mehr passieren…

Man muss es ehrlich sagen: mit einsamem Erlebnis in der Natur hat es nichts mehr zu tun, was sich da tagtäglich am Lake Wanaka abspielt. Gerade jetzt im neuseeländischen Herbst, wenn die Farben und Wetterstimmungen besonders schön sind, versammeln sich Horden von Fotografen, die diesen EINEN Baum ablichten wollen. Das geht von der asiatischen Reisecargruppe mit Selfiesticks bis zum Lacoste-Schuhe-tragenden Hasselblad-Puristen und alle versuchen sie, den besten Winkel fürs beste Bild zu finden. Auch wenn ich absichtlich etwas überspitzt schreibe: dieser Trubel entspricht mir eigentlich überhaupt nicht – schon gar nicht in Neuseeland, wo man Weite, Ruhe und Einsamkeit sucht (…und mitunter auch findet!).

Und doch konnte auch ich ihm nicht widerstehen, diesem Baum, der auf wundersame Weise mitten im Wasser zu wachsen scheint. Es handelt sich dabei um eine Crack Widow, eine in Neuseeland eingentlich nicht heimische Weidenart, die aus einem alten Zaunpfahl gewachsen sein soll. Neben den Touristen & Fotografen scheinen auch die Zwergkormorane gefallen an dem knorrigen Baum gefunden zu haben, scheint er sich doch zu ihrem liebsten Schlafplätzchen gemausert zu haben.

So steht der Baum nun einsam im Wasser, das gelbe Herbstkleid bereits angezogen und mit Kormoranen geschmückt. Am Ufer neben mir ein Dutzend weitere Stative und hoffnungsvolle Gesichter – doch wir werden enttäuscht: es ist ein stürmischer Abend und statt farbigem Sonnenuntergang gibts bloss Regen und Wind. So treffe ich die meisten Gesichter auch am nächsten Morgen wieder an der selben Stelle, mit der selben Hoffnung. Und dieses Mal haben wir Glück! Eine wunderbare Morgenstimmung kündigt sich an und ich komme trotz dem Gewusel um mich herum in den „Fotografie-Modus“, jene schwer erklärbare Stimmung, wo ich nur noch Licht, Komposition, das fertige Bild im Kopf sehe. Irgendwann ziehe ich mich vom Seeufer zurück und versuche mit dem Teleobjektiv noch den ein oder anderen spielerischen Bildaufbau mit den ebenfalls goldgelben Sträuchern etwas weiter weg vom Wasser.

Zurück auf dem Campingplatz beginnen wir, nach einem ausgiebigen Frühstück, unsere Sachen für die Weiterreise zu packen. Und erst da erinnere ich mich mit Schrecken, dass ich mein Stativ am Ufer vorne stehen gelassen habe! Alles fluchen und ärgern nützt nichts, es gibt nur eins: so rasch wie möglich zurück, auch wenn die Chancen realistisch gesehen vernichtend klein sind, dass an einem so stark bevölkterten Strandabschnitt ein (nicht ganz günstiges) Stativ über eine Stunde unentdeckt stehen bleibt.

Auf dem Weg vom Parkplatz an den Strand erkenne ich bereits einer der anderen Fotografen von heute morgen. Mit einem breiten Grinsen läuft er auf mich zu und drückt mir mein Stativ in die Hand. Ich bedanke mich gefühlte tausend Mal und schäme mich innerlich, dass ich mich in Gedanken die letzten beiden Tage etwas über die „vielen anderen Fotografen hier“ genervt habe…

 

3 Kommentare

  1. Sandy
    29. Mai 2018
    Antworten

    wunderbare bilder!

  2. 30. Oktober 2018
    Antworten

    Ganz wundervolle Bilder. Ich war im neuseeländischen Frühling da – eine ganz andere Stimmung. Mich packt schon wieder das Fernweh 🙂

    • 30. Oktober 2018
      Antworten

      Vielen lieben Dank für den Besuch und den Kommentar! Ja, das Fernweh kenne ich auch… 😉

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