Highway to the Arctic

Den ersten Frost dieses Jahr haben wir ebenfalls auf dem Dempster Highway erlebt. Das ist nicht weiter verwunderlich, verläuft doch ein grosser Teil dieser ungeteerten Strasse nördlich des Polarkreises. Für uns war die Grenze zum Polarkreis das anvisierte Ziel – aber uns hats so gut gefallen, das wir gleich bis Inuvik durchgezogen sind. Fünf Tage Staub, Schlaglöcher, unglaubliche Landschaften, Wildlife und – eine Autopanne mitten im Nirgendwo.

Nach der unglaublichen Nordlicht-Show erwartet uns ein unglaublich kalter Morgen. Bodenfrost und Nebelfetzen verwandeln die Umgebung in eine Märchenwelt. Auch wenn mir die Finger fast abfrieren, bin ich noch vor dem Frühstück schon wieder draussen am fotografieren. Die Schneehasen, welche wir am Abend zuvor beobachten konnten, sind leider nicht mehr zu sehen. Aber ich weiss jetzt, weshalb sie bereits beginnen, ihr Winterfell anzuziehen!

Rund eine Stunde sind wir bereits gefahren, als wir bei einem hübschen Pullout anhalten. Ich öffne die Beifahrertür und höre sofort ein verdächtiges Zischen. Je näher ich dem Hinterrad komme, desto unvermeidlicher die Tatsache: wir haben tatsächlich einen Plattfuss eingefahren! Und dies am denkbar dümmsten Ort: rund 150km vor der einzigen „Ortschaft“ Eagle Plains (bestehend aus einem Motel, einer Tankstelle und einer Autogarage) und etwas über 200km von Dawson City, wo wir auf den Dempster eingebogen sind. Aber egal, in welche Richtung wir weiter wollen, wechseln müssen wir das Rad sowieso – also an die Arbeit! Nach etwas mehr als einer Stunde und einigen Kraftwörtern ist es vollbracht und wir entscheiden uns, nach Eagle Plains weiter zu ziehen. Im Wissen, dass wir nun bei einer weiteren Panne keinen Ersatzreifen mehr hätten, fühlt sich die Weiterfahrt an, wie auf rohen Eiern.

Richtig geniessen können wir die Landschaft dann erst wieder mit dem frisch geflickten Reifen an Bord. Bald einmal überschreiten wir den Polarkreis, wenig später die Grenze vom Yukon in die Northwest Territories und schlussendlich stehen wir vor der ersten Fähre, welche uns ins Mackenzie Delta bringt. Spätestens hier wissen wir: wir wollen den holprigen Highway komplett befahren!

Es ist bereits am Eindunkeln, als wir Inuvik, die mit fast 4000 Einwohnern grösste kanadische Stadt nördlich des Polarkreises, erreichen. Und in der Tat: nach den Tagen in der Einsamkeit kommt sie uns vor wie eine Metropole! Wir nutzten die Gelegenheit, Tank und Kühlschrank aufzufüllen, bevor wir den Rückweg antreten.

An unserem letzten Abend auf dem Dempster werden wir nach einem wunderschönen Sonnenuntergang noch einmal mit Nordlichtern belohnt – was für ein kröndender Abschluss!

 

2 Comments

  1. Marina
    23. Oktober 2016
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    Hallo 🙂

    ich liebe es solche Berichte zu lesen, vor allem, wenn sie noch so spannend geschrieben sind. Wenn man dann noch die schönen Bilder anschaut, die Augen zumacht, könnte man meinen, selber dabei gewesen zu sein.

    lg Marina

    • 23. Oktober 2016
      Reply

      Vielen Dank für das nette Feedback Marina, freut mich sehr 🙂

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