Caution, bear!

„Caution, bear!“ schreit jemand hinter mir. Sekundenbruchteile vorher höre ich aus dem Wald rechts ein Ästchen knacken. Ich schaue über die Schulter zurück und sehe, wie ein stattlicher Bär keine fünf Meter von mir entfernt aus dem Dickicht tritt. Ihm folgen zwei weitere, etwas keinere Bären. „Eine Mutter mit zwei Jungtieren“ schiesst es mir durch den Kopf. Die Zeit scheint für einen kurzen Augenblick still zu stehen, ich traue mich kaum zu atmen, schwanke zwischen Faszination und Panik. Was nun?

Es gelingt mir zum Glück, nicht in Panik zu verfallen, ich mache instinktiv das Richtige: ruhig, aber bestimmt weiter gehen, weg von den Bären, so dass sie ungestört die Strasse überqueren können. Dort drüben im Fluss schwimmen unzählige Lachse, auf die die Bären zum Glück mehr Appetit haben, als auf mich…

Während die Bären bald darauf die ersten Fische aus dem Wasser ziehen, erreicht mein Puls langsam wieder Normalfrequenz. Es ist bereits späterer Nachmittag, als wir von unserem Campingplatz flussaufwärts spazieren. Es soll hier Bären haben, das ist uns bekannt – nicht umsonst trage ich die Kamera mit dem schweren Tele bei mir. Mit einer solch hautnahen Begegnung hätte ich aber nicht gerechnet und im Nachhinein bin ich froh, ist alles glimpflich abgelaufen.

Aus sicherer Distanz haben wir dann bis in den Abend hinein und auch am nächsten Vormittag lange beobachten können, wie die Bären geschickt Lachse fischen, ihre Beute gegen gefräsige Möwen verteidigen, ein erfrischendes Bad im kalten Fluss geniessen und – vorallem die Jungspunte – auch Kräfte messen. Die Jungbären sind übrigens bereits „Jährlinge“, also vom letzten Jahr. Bald wird ihre Mutter sie verstossen und sie sind auf sich alleine gestellt. Nach unseren Beobachtungen sind sie aber bestens gewappnet für die grosse weite Welt rund um Haines. Viel Glück, liebe Bären, und erschreckt mich künftig bitte nicht mehr so fest 😉

 

2 Comments

  1. Marina
    23. Oktober 2016
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    Wunderbare Aufnahmen dieser schönen Tiere. Hab den Atem angehalten beim Lesen. Dabei können die doch so lieb schauen.

    lg Marina

    • 23. Oktober 2016
      Reply

      …zum Glück waren sie zu mir auch lieb 😉

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