Nächtliche Krötenwanderung

Jeden Frühling wird unser Wohnquartier zum Tummelplatz für Amphibien. Das Schauspiel dauert meist nur wenige Tage – oder besser gesagt Nächte. Dieses Jahr ist es mir endlich gelungen, diese nächtliche Wanderung fotografisch zu dokumentieren.

Es sind grösstenteils Erdkröten (Bufo bufo), welche sich an den ersten feuchtwarmen Frühlingsnächten aus dem nahen Wald auf den Weg zu ihren Laichgebieten machen. Vereinzelt schliessen sich ein paar Molche und Frösche dem Tross an – ich habe mich fotografisch aber bewusst auf die Kröten konzentriert. Einige waren alleine unterwegs, andere zu zweit: das deutlich grössere Weibchen trägt dabei das kleine Männchen „huckepack“ auf dem Rücken.

Erdkröte (Bufo bufo)
Männliche Kröten werden zum Teil von den deutlich grösseren Weibchen „huckepack“ getragen

Es war für mich gleich in doppelter Hinsicht eine Premiere: zum ersten Mal habe ich mich ausgiebig mit einer Amphibienart beschäftigt und ebenfalls erstmals Tiere bei Nacht fotografiert. Ich wollte dies technisch so einfach wie möglich halten und auf mein bestehendes Equipment zurück greifen. Ein Blitz kam beispielsweise nicht zum Einsatz, da ich gar keinen besitze. Zudem stehe ich blitzen in der Wildlife-Fotografie sowieso etwas skeptisch gegenüber, da ich einerseits bei einigen Arten nicht ausschliessen kann, dass es sie stört und ich andererseits das oft unnatürliche, grelle Licht meist wenig ästhetisch finde.

Ich wollte hier also mit dem wenigen „natürlichen“ Licht arbeiten, dass ich finden konnte und das waren primär Strassenlaternen, Hausbeleuchtungen, Vollmond und Reflektionen an glatten Oberflächen wie beispielsweise parkenden Autos.

Je nach vorhandener Lichtmenge habe ich mich auch an etwas kreativeren Aufnahmen versucht, wie beispielsweise die folgenden zwei: das eine ein Low-Key bei sehr wenig Seitenlicht, das andere ein High-Key eines direkt unter einer Strassenlaterne sitzenden Tieres:

Auch habe ich in der zweiten Nacht begonnen, mit dem Ultraweitwinkel zu experimentieren, da ich gemerkt habe, dass es immer wieder sehr tolerante Kröten gab, welche einem doch recht nahe ran lassen und auch eine Weile lang still sitzen. Hier haben mir dann besonders jene Aufnahmen gefallen, welche noch realtiv früh, in der blauen Stunde, entstanden und so noch einiges an Umgebung erahnen lassen.

Mein Lieblingsbild ist dann durch einen glücklichen Zufall entstanden: in unserem Quartier schleichen sehr viele Katzen herum – dies natürlich auch besonders in der Nacht. Ich hatte zu Beginn immer etwas Angst um die Kröten, hatte aber bald den Eindruck, dass die Mietzen mehr an der am Boden rumkriechenden Fotografin als an den (wohl zu wenig hektischen) Amphibien interessiert waren. Obwohl es hier glücklicherweise nicht allzu viel Verkehr hat, geht wahrscheinlich die grössere Gefahr trotzdem von Autos aus. Zum Glück ist die Krötenwanderung in der Nachbarschaft weitherum bekannt, Freiwillige stellen jeweils Verkehrsschilder auf und bringen Gitter bei Abwasserschächten an – soweit ich beobachten könnte, verhielten sich alle Leute sehr rücksichtsvoll!

Aber zurück zu den Katzen: ich habe das schwarze, besonders neugierige Exemplar erst gar nicht bemerkt, als ich die kleine Kröte fokussierte. Just im richtigen Moment ist sie jedoch hinter dieser vorbei geschlichen. Der Bildausschnitt stimmte haargenau und durch die etwas längere Verschlusszeit war die Katze leicht verschwommen, was dem Bild irgendwie einen bedrohlichen Charakter verleiht:

Ich überlege noch, was ein guter Bildtitel für diese Momentaufnahme wäre. Wenn ihr Vorschläge habt, dürft ihr sie gerne in die Kommentare schreiben 🙂

Equpiment:

  • Fujifilm X-T3
  • Fujinon XF 200mm f/2.0
  • Samyang 12mm f/2.0
  • Berlebach Mini Stativ
  • Bohnensack (merci Susi!)
  • Handy-Taschenlampe 😉

Ein Kommentar

  1. Helmut Walliser
    16. April 2021
    Antworten

    ……Huch….. würde ich schreiben.
    Schönes und nichtalltägliche „Wildlife“ Fotos
    Danke.
    Gruss vo Bigle
    Helmut

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