Wasseramsel im Winter fotografieren

Wasseramseln kann man bei uns zwar ganzjährig beobachten, ich finde sie aber besonders im Winter schöne Sujets. Dann, wenn man sie in ihrem verschneiten und vereisten Habitat zeigen kann. So war ich die letzten Tage wieder auf der Pirsch und will euch hier nicht nur die dabei entstandenen Bilder zeigen, sondern auch ein paar Erfahrungen und Tipps mitgeben:

Habitate finden

Die Eurasische Wasseramsel (Cinclus cinclus) ist in der Schweiz eigentlich ziemlich weit verbereitet – überall dort, wo es fliessende, klare Gewässer hat. Sie sind standortreu und fest ans Wasser gebunden, da sie nur dort ihre Nahrung finden: Wasserinsekten, die sie vorallem tauchend erbeuten.

Ideal zum Fotografieren sind nicht allzu breite Flüsse und Bäche, deren Ufer nicht zu dicht bebuscht sind. Schön sind natürlich kleine Wasserfälle oder Steine im Wasser. Meine Bilder sind am Inn, an der Emme und an einem Nebenbach der Giesse / Aare entstanden.

Wer bei sich in der Nähe noch kein Habitat entdeckt hat, kann im Vorfeld auch etwas recherchieren. Eine der besten Quellen ist sicherlich Ornitho. Bei häufigen Arten wie der Wasseramsel sind wahrscheinlich auch befreundete Fotografen oder Ornithologen bereit, einen Standort zu verraten. Natürlich kann man auch via Social Media Hinweise sammeln.

Solche Bachläufe sind ideale Habitate für die Wasseramsel

Verhalten studieren

Etwas, was ich generell in der Tierfotografe empfehle: setzt euch mit der Art auseinander, lernt das Tier und sein Verhalten kennen! Zur Vorbereitung kann man beispielsweise den Wikipedia-Artikel oder zumindest das Kurzportrait der Vogelwarte durchlesen.

Wenn man die Tiere dann in der Wildnis antrifft, sollte man nicht einfach wild drauf los fotografieren, sondern sich genügend Zeit zum beobachten nehmen. Wie verhalten sich die Tiere? Gehen sie einem bestimmten Ablauf nach, laufen/fliegen sie bestimmte Wege? Wirken sie unruhig oder entspannt?

Ich habe bei den Wasseramseln unterschiedliche Exemplare angetroffen – sehr schüchterne und relativ entspannte. Mit dieser Erkenntnis kann ich dann meine Vorgehensweise entsprechend anpassen: manchmal lohnt es sich eher, hinter einem Busch (vielleicht sogar getarnt) abzuwarten, manchmal kann man versuchen, sich anzupirschen. Schnell kann man auch die Lieblingssteine der Vögel ausmachen, auf denen sie sich nach einem Tauchgang ins eisige Wasser ausruhen. Meist wechseln sich aktive Tauch- & Fressphasen mit Ruhephasen ab, welche man fotografisch zum Beispiel mit Actionfotos oder Langzeitbelichtungen umsetzen könnte.

Ein sehr zutrauliches und entspanntes Exemplar

Die richtige Ausrüstung dabei haben

Wie die Fotos vermuten lassen, ist Wildlife-Fotografie im Winter eine frostige Angelegenheit. Gute, warme Kleidung ist somit unabdingbar – insbesondere, weil man sich in der Regel nicht gross bewegt und rasch auskühlt. Auf Tarnung habe ich dieses Mal verzichtet, kann man aber durchaus auch einsetzen.

Ich habe meine Fujifilm X-T3 mit dem XF 200mm f/2.0 oder dem XF 1oo-400 verwendet. Bei der Kamera sind vorallem eine schnelle Serienbildrate und ein treffsicherer Autofokus entscheidend. APS-C hilft mir ausserdem, etwas näher ran zu kommen. Zumal ich mit meinen Objektiven eher an der unteren Grenze bin. Leider hat Fujifilm bis dato keine längere Brennweite im Angebot…

Ich fotografiere Tiere meist freihand. Wenn man aber etwas längere Belichtungszeiten realisieren oder dem Bizeps zwischendurch eine Pause gönnen möchte, hilft ein bodennahes Stativ oder ein Bohnensack. Ich nutzte für solche Situationen gerne das Berlebach Mini, welches es in der Schweiz zum Beispiel bei Kropf Multimedia gibt. Standardmässig gehören zudem Ersatzakkus, Speicherkarten und Reinigungstücher/-material in mein Fotogepäck. Die Akkus sollte man übrigens wegen der Kälte möglichst nahe am Körper – also am besten in der Hosentasche – aufbewahren.

Setup: Fujifilm X-T3, XF 200mm f/2.0 + TC 1.4, Berlebach Mini Stativ

Bilder aufnehmen und gestalten

Als Landschaftsfotografin beschäftige ich mich intensiv mit der Bildgestaltung. Dies lasse ich auch bei der Wildlife-Fotografie einfliessen. Ich überlege mir also: was möchte ich mit meinem Bild zeigen? Und wie komponiere ich dies möglichst ästhetisch und harmonisch?

Bedingt einerseits durch meine eher kurze Brennweite, aber auch wegen der schönen Winterlandschaft möchte in dem Fall die Wasseramsel in ihrem verschneiten und vereisten Habitat zeigen. Dabei versuche ich, Gestaltungselemente wie Goldener Schnitt/Drittelsregel, Linien/Diagonalen oder „Empty Space“/Minimalismus einzubeziehen. Ich versuche, möglichst tiefe Perspektiven einzunehmen, nehme mal ein Gebüsch als Komplementärfarbe mit aufs Bild, welches durch die Offenblende eine schöne Unschärfe im Vordergrund gibt.

Auch den richtigen Moment möchte ich erwischen – beispielsweise, wenn die Wasseramsel an mir vorbei fliegt. Für solche Aufnahmen braucht es eine schnelle Verschlusszeit von mindestens 1/1000 (und ganz ehrlich: meist mehrere Versuche!). Für statische Aufnahmen kann ich deutlich langsamere Zeiten wählen zu Gunsten eines tieferen ISO. Ich kann es sogar auf die Spitze treiben und eine Langzeitbelichtung versuchen, wenn sich die Amsel eine zeitlang mitten auf einem Stein im Wasserfall ausruht.

Der Kreativität sind eigentlich keine Grenzen gesetzt, solange man genug Geduld und Kälteresistenz mitbringt. Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Blog etwas ermutigen, vielleicht auch mal ein paar Wasseramseln fotografieren zu gehen und wünsche euch viel Spass beim Betrachten der nachfolgenden Bilder 🙂

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