Review Fujinon XF 200mm f/2.0

Jetzt aber! Mit dem XF 200mm f/2.0 bringt Fujifilm in Kürze ein richtiges Hammer-Objektiv auf den Markt. Dies einerseits in physischer Hinsicht, aber vorallem auch im Bezug auf die Bildqualität, denn die ist – soviel sei vorab verraten – wirklich hammermässig!

Als ich seinerzeit von Canon komplett auf das Fujifilm X-System gewechselt bin, waren nicht zuletzt Gewicht und Packmass ein Kriterium. Im Wildlife-Bereich nutze ich seither das XF 100-400mm f/4.5-5.6, welches gut und gerne noch als kompakt bezeichnet werden kann. Beim neuen XF 200mm f/2.0 gilt dieses Argument nur noch bedingt – und zwar dann, wenn man es mit den Prime-Linsen anderer Hersteller vergleicht. Warum es sich aber lohnt, etwas mehr Gewicht (…und wohl oder übel auch etwas Geld..) in die Hand zu nehmen, will ich in diesem Review versuchen, zu erläutern.

Schon beim ersten Anfassen lässt sich die hohe Qualität dieses Objektives vermuten. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig und, wie von Fujifilm gewohnt, optisch sehr ansprechend. Die Aussenbeschichtung ist beispielsweise nicht einfach grau, sondern leicht glänzend silbern und wirkt sehr robust. Der 1.4 x Konverter sowie eine gut gepolsterte Objektivtasche sind inklusive. Auch von der Haptik war ich von Anfang an begeistert: der Einstellring für das manuelle Fokussieren ist wunderbar „smooth“ und jener für die Blende genau im richtigen Masse „hartgängig“. Die Stativschelle hat einen Arca-Swiss – kompatiblen Fuss, was sehr praktisch ist. Nur hätte ich mir diesen Fuss etwas grösser gewünscht, da ich dort beim Freihand arbeiten gerne mit der flachen Hand stabilisiere und so etwas mehr „Ablagefläche“ hätte. Ich würde deshalb wahrscheinlich den „Standard-Fuss“ gegen einen grösseren austauschen (ich gehe davon aus, dass dies möglich ist, da entsprechend verschraubt) oder eine zusätzliche, etwas längere Stativplatte anbringen.

An der Seite finden sich die drei Schalter, welche man auch von Superteles anderer Hersteller kennt: jener, mit welchem der Fokusbereich von „full“ auf „5m bis unendlich“ limitiert werden kann, den Bildstabilisator (OIS) und den AF-Preset. Letzterer spielt mit den vier Knöpfen am vorderen Bereich des Objektivs zusammen, welche entweder halbgedrückt zum Fokussieren benutzt werden können oder eben um den Fokus zu speichern. Das habe ich bespielsweise genutzt, als ich im Hide auf den Eisvogel gewartet habe: ich speicherte mir den einen Ast, welcher früher oder später vielleicht als Landeplatz dienen könnte, auf einen der Knöpfe und nahm in der Zwischenzeit andere Vögel ins Visier. Als der Eisvogel dann tatsächlich besagten Ast anflog, konnte ich mit Knopfdruck den zuvor gespeicherten Fokus „zurückholen“ – noch bevor ich Kugelkopf & Kamera ausgerichtet hatte.

Ich hatte das XF 200mm f/2.0 während rund 10 Tagen im Einsatz und dabei ausschliesslich Wildtiere fotografiert. Was das Objektiv für diesen Anwendungsbereich so genial macht, ist die traumhafte Kombination aus Brennweite und Offenblende (mit Konverter und umgerechenet auf Vollformat: 427mm bei f/2.8 ). Dadurch lassen sich Tiere nicht nur formatfüllend ablichten, sondern auch wunderschön freistellen. Und da wären wir beim ersten Punkt, was mir bezüglich Bildqualität besonders gefällt: das Bokeh! Auch wenn ich in der Vergangenheit bestimmt schon ansprechende Fotos mit 400mm bei f/5.6 machen konnte – das hier ist einfach eine andere Liga!

Der zweite Punkt, wo ich wirklich baff war, ist die Schärfe dieser Linse. Zugegeben, beim offenblendigen Arbeiten mit Teles ist es nicht immer ganz einfach, bspw. das Auge des Tieres zu treffen. Wenn das aber gelingt, dann sind die Details wirklich gestochen scharf. Und man muss schon sagen, dass es einem das Objektiv verhältnismässig leicht macht, da der Stabi wirklich toll funktioniert und auch der Autofokus – insbesondere in Kombination mit der X-T3 – rasend schnell und treffsicher ist. Das einzige Problem, was ich persönlich habe: freihand kann ich nicht viel länger als 5 Minuten mit der Linse arbeiten, da sie mir einfach auf Dauer zu schwer ist (2,265g gem. Spezifikationen). Da stellt sich dann halt die Frage, ob man den Bizeps etwas mehr trainieren sollte oder vermehrt wieder mit dem Stativ arbeiten wird. Ich habe mich die letzten Tage für zweiteres entschieden – so oder so ist wohl beides bis zu einem gewissen Grad eine „Gewohnheitssache“.

Zusammenfassung und Fazit

Neben persönlichen Präferenzen wie dem etwas (zu) kleinen Stativfuss und dem etwas (zu) hohen Gewicht für Freihandfotografie kann ich beim besten Willen keine „Schwächen“ an diesem Objektiv finden. Der Vollständigkeit halbers erwähne ich an der Stelle noch, dass es keinen „Filtereinschub“ besitzt, was in einigen Reviews bemänglet wurde. Mir persönlich ist das aber herzlich egal, da ich in der Tierfotografie nie Filter brauche.

Der Knackpunkt dürfte hier wohl der Preis sein, welcher bei etwa CHF 6’500.- (ohne Gewähr) liegt. Für die meisten (Hobby-)Fotografen wird dies zu hoch sein. Wir haben es hier aber nicht mit einem Produkt für den „Massenmarkt“ zu tun, sondern mit einem hochspezialisierten Werkzeug für spezifische Bereiche wie Action, Sport oder eben Wildlife. Und genau hier hat Fujifilm mit diesem Objektiv einen Volltreffer gelandet. Ich persönlich kann es zwar „nur“ gegen das Canon 400mm f/2.8 (aktueller Preis ca. 9’700.-) vergleichen, wage aber zu behaupten, dass in dieser Liga kein besseres Preis-/Leistungsverhältnis zu finden sein wird.

Werde ich mir das Objektiv kaufen?

Ich liebäugle sehr stark damit. Auch wenn es für mich und meine Art der Fotografie (Freihand) etwas ein Umgewöhnen wäre. Aber die (neuen) Möglichkeiten in Sachen Bildgestaltung und -qualität sind einfach schon bestechend. Im Herbst 2019 pirsche ich wieder den Wildtieren in Kanada nach – bis dahin habe ich also Zeit, zu sparen…

Disclaimer

Das Objektiv wurde mir kostenlos von Fujifilm (Switzerland) AG zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Leser meines Blogs dürfen sich auf meine absolut persönliche Erfahrung und Meinung verlassen.

Für Rückfragen und Feedbacks dürft ihr gerne die Kommentarfunktion nutzen oder mich per Mail kontaktieren.

6 Kommentare

  1. Tim H.
    27. September 2018
    Antworten

    Das klingt sehr vielversprechend und die Bilder sehen auch vielversprechend aus. Aber der preis schleckt halt schon keine Geiss weg…

    • 29. September 2018
      Antworten

      Danke Tim! Ja, bei mir heisst es jetzt auch sparen

  2. Sandy
    27. September 2018
    Antworten

    guter review und niedliche fotos, danke!

    • 29. September 2018
      Antworten

      Gerne Sandy, danke für den Besuch und das Feedback!

  3. Christoph
    28. September 2018
    Antworten

    Finde diesen AF-Preset genial: Wußte nicht, daß das durchaus gängig ist an solchen Teles!

    • 29. September 2018
      Antworten

      Ja, das ist wirklich praktisch! Also sicher das 400er f/2.8 von Canon und die Sigma-Teles der neusten Generation haben es auch. Bei den anderen Herstellern weiss ichs nicht genau…

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