Review Fujifilm X-T3

Eigentlich bin ich ja nicht so der Technikfreak und habe bisher hier im Blog auch kaum Produktrieviews publiziert. Als ich jedoch die Möglichkeit bekam, die brandneue Fujifilm X-T3 testen zu dürfen, habe ich natürlich nicht lange gezögert. Und damit ihr auch etwas davon habt, schildere ich hier gerne meine ersten Eindrücke.

Das Äussere

“Das ist noch eine schöne Kamera!” meinte Helikopter-Pilot Lorenz letzen Sonntag, als ich ihm die X-T3 fürs Erinnerungs-Familienfoto in die Hände drücke. Dass Fujifilm wunderschöne Kameras designt, ist unbestritten. Besonders in der silbernen Ausführung sieht die X-T3 wiederum fantastisch aus. Optisch ist sie praktisch identisch mit ihrer Vorgängerin, der X-T2, mit welcher ich ja seit nun fast einem Jahr arbeite. Man kann die neue X-T3 gleich von Anfang an inntuitiv bedienen, denn die Knöpfe und Auswahlräder sind gleich angeordnet wie bisher. Erst bei genauerer Betrachtung und Benutzung fallen die Finessen auf. Kennt ihr beispielsweise diese Momente, wo ihr die Kamera auspackt, durch den Sucher schaut und euch wundert, weshalb alles so unscharf aussieht? Das passiert euch mit der X-T3 nicht mehr (ausser es IST tatsächlich unscharf…), denn das Einstellrad für die Dioptrin-Korrektur lässt sich nur noch verstellen, wenn man es wie bei einer Uhr vorher leicht hinauszieht. Allgemein sind die Knöpfe nun ein bisschen griffiger und die Auswahlräder schwergängiger – im positiven Sinn! Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir der etwas tiefere Griff und die grössere Ausbuchtung beim Daumen. So liegt mir persönlich die X-T3 besser in der Hand als die X-T2 – wenn auch immer noch nicht so gut wie die deutlich “klobigere” X-H1. Zur einer noch besseren Haptik trägt ein zusätzlich erhältlicher Battery Grip bei, welcher ebenfalls ein paar Neuerungen gegenüber dem Vormodell erhalten hat. Der grösste Vorteil finde ich, dass man den Akku in der Kamera nicht mehr entfernen muss und so mit drei Akkus gleichzeitig arbeiten kann. Die Akkus sind übrigens die selben wie bei der X-T2 und X-H1, worüber einige wegen der angeblich zu schwachen Leistung unglücklich sind. Ich persönlich hatte bisher nie Probleme mit der Akkulaufzeit und empfinde die Kompatibilität als grossen Pluspunkt. Die X-T3 bekam ausserdem ein Touchdisplay verpasst, welches sich wie beim Vorgängermodell kippen und auf eine Seite ausklappen lässt, aber eben leider nicht “tilty flippy”, was vorallem die Vlogger enttäuschen wird.

Das Innenleben

Kommen wir zum spannenden Teil! Natürlich habe ich mich bereits im Vorfeld etwas über die X-T3 informiert und las überall, dass sie deutlich schneller sein wird. Das ist für meinen Anwendungsbereich in der Wildlife-Fotografie natürlich schon ein Kriterium, allerdings dachte ich bisher, mit der X-H1 gut bedient zu sein. Entsprechend war ich also gespannt, wie sie dem noch einen drauf setzten wollen. Und meine Güte – das haben sie! Die Kombination aus treffsicherem, blitzschnellem Autofokus, rasanter Serienbilder-Rate und kurzer Puffer- & Schreibzeiten ist schlicht beeindruckend! Während meine faulen Hauskatzen vielleicht noch nicht das repräsentativste Testobjekt sind, so habe ich mich beim ersten Feldversuch an einem Mornellregenpfeiffer versucht. Ein kleiner Vogel, der zwar neugierig und verhältnismässig zutraulich ist, aber ständing in Bewegung. Zunächst hatte ich etwas Mühe, da der Autofokus durch meine tiefe Position die Gräser im Vordergrund statt das Tier erfasste. Dafür hat man aber, wie schon bei der X-H1, voreingestellte Autofokus-Modi mit unterschiedlichen Empfindlichkeiten und kann bei Bedarf auch eigene kreieren. Sobald der Nachführ-Autofokus das quirrlige Tier mal erfasst hat, liess er es nicht mehr los, egal ob es sich auf mich zu oder von mir weg bewegte.

Wie immer habe ich auch hier mittels Backbutton-Focussing gearbeitet, d.h. ich habe mir den Fokus auf die frei programmierbaren AE-L resp. AF-L – Tasten gelegt. Ebenso habe ich die wichtigsten Autofokus-Funktionen wie bspw. das Umschalten der Grösse der Nachführfelder auf das Tastenkreuz gelegt. So bin ich im Feld extrem schnell, verfolge das Motiv im (nebenbei bemerkt genialen!) elektronischen Sucher und sobald Bildausschnitt & Ausdruck des Tieres passen, löse ich aus. Wo wir bei den nächsten beiden Punkten wären: die Serienbildfunktion ist unglaublich schnell! 11 Frames per second (fps) oder sogar bis zu 30 (!) fps im “Sportmodus”, in dem man statt mit mechanischem, nur noch mit elektronischem Verschluss arbeitet und von einem 1,6 Crop Faktor profitiert (…oder, je nach Sichtweise, ihn in Kauf nimmt). Und das Beste daran: keine Blackouts! Ein riesen Vorteil in der Tierfotografie, besonders im Highspeed-Bereich. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte damit vor einem Jahr bei der Adler-Fotografie arbeiten können, kommen mir fast die Tränen… Auffallend schneller ist auch die Schreibgeschwindigkeit geworden. Die Bilder können direkt nach der Aufnahme angezeigt werden. Wie gross der Puffer ist, kann ich nicht sagen, da ich ihn beim praktischen Arbeiten schlicht nicht ausgereizt habe. Benutzt habe ich zwei SanDisk Extreme Pro Karten mit 95mb/sec, was zugegebenermassen etwas vom Schnellsten ist. Und doch hatte die Kamera einiges zu tun, denn ich habe gleichzeitg in JPG und RAW aufgenommen. Möglich macht es der X Prozessor 4, der zusammen mit dem X Trans CMOS 4 Sensor das bedeutenste Update der X-T3 ist. Der Phasendetektions-Autofokus wurde ebenfalls erheblich verbessert, bietet nun 425 über den gesamten Sensor verteilte Punkte. Davon kann ich auch in der Landschaftsfotografie profitieren, wo ich gerne den Single-Autofokus verwende. Da setzte ich mit dem Joystick meinen Fokuspunkt nun beliebig, ohne “bessere” oder “schlechtere” Punkte zu erwischen.

Die Verbesserung macht sich besonders auch im LowLight-Bereich bemerkbar. Ich habe beispielsweise Rehe fotografiert, als es “von blossem Auge” bereits praktisch dunkel war (ca. 20:10 Uhr, Sonnenuntergang war um 19.45 Uhr) und war wirklich baff, wie lange der Autofokus noch funktionierte! Die Bildqualität kann ich noch nicht abschliessend beurteilen, da ich die RAWs noch nicht entwickeln konnte. Bei Interesse werde ich das gerne nachliefern – ich gehe davon aus, dass die Lightroom-Implementierung Ende September / Anfang Oktober erfolgt. Was ich aus den kameraintern entwickelten JPG-Files entnehmen kann, sieht jedoch fantastisch aus. Die Auflösung ist gegenüber der X-T2 von 24 auf 26.1 Megapixel gewachsen (APS-C).

Zusammenfassung 

Vorteile allgemein:
+ kompaktes, leichtes Design
+ Dual SD Card Slot
+ sensationelles Preis-/Leistungsverhältnis
+ sämtliche Vorteile des Fujifilm X-Systemes (umfangreiches und hochwertiges Objektivangebot, regelmässige und kostenlose Softwareupdates etc.)

Vorteile gegenüber der X-T2:
+ neuer, schnellerer Prozessor
+ neuer, grösserer Sensor (26.1 MP)
+ 425 Phasendetektions-AF Punkte
+ schnellere Serienbild-Rate (11 fps mechanisch / bis zu 30 fps elektronsich)
+ keine Blackouts
+ bessere Haptik
+ Touchscreen
+ neuer, optionaler Battery Grip mit der Möglichkeit, drei Akkus gleichzeitig zu betreiben

Nachteile allgemein:
– keine In-Body-Stabilization (IBIS)
– kein Tilt-Flip-Screen

Nachteile gegenüber der X-T2:
– keine

 

Fazit

Werde ich mir die X-T3 kaufen?

Nein, im Moment nicht. Das mag nach dem “Lobgesang” jetzt vielleicht etwas überraschen. Da ich aber einen Teil meines Lebensunterhaltes mit der Fotografie verdiene, spielen wirtschaftliche Aspekte bei Neuanschaffungen eine Rolle. Ich wiege jeweils sehr genau ab, was mir für meinen Anwendungsbereich am meisten nützt. Meine Kerngebiete sind Tier- und Landschaftsfotografie. In der Landschaftsfotografie geht für mich der nächste logische Schritt in Richtung Mittelformat. Bis dahin werde ich mit der X-T2 weiter arbeiten, die wegen der neuen X-T3 nicht automatisch eine schlechte Kamera wird. Für den Bereich Wildlife, wo ich gerne freihand arbeite, bleibe ich vorerst bei der X-H1, aus zwei Gründen: erstens liegt sie mir persönlich einen Tick besser in der Hand und zweitens schätze ich den IBIS sehr. Man stelle sich nun vor, dass deren Nachfolger, also mutmasslich die X-H2, irgendwann mit den Spezifikationen der X-T3 plus IBIS kommen wird…

Würde ich die X-T3 einem “Neueinsteiger” ins Fujifilm X-System empfehlen?

Ja, uneingeschränkt! Sie ist in allen Punkten besser als ihre Vorgängerin und dies zu einem äusserst fairen Preis!

Die Fujifilm X-T3 erscheint offiziell am 20. September 2018 und wird ca. CHF 1’700.00 (Body) resp. CHF 2’150.00 (Kit mit XF18-55mm-Objektiv) kosten.

 

Disclaimer

Die Kamera wurde mir kostenlos von Fujifilm (Switzerland) AG zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Leser meines Blogs dürfen sich auf meine absolut persönliche Erfahrung und Meinung verlassen. Ich habe beim Testen nur diejenigen Funktionen mitberücksichtigt, welche ich in meinem täglichen Anwendungsbereich nutze und beurteilen kann. So verzichte ich beispielsweise bewusst auf eine Beurteilung der Videofunktion – danke fürs Verständnis!

Für Rückfragen und Feedbacks dürft ihr gerne die Kommentarfunktion nutzen oder mich per Mail kontaktieren.

6 Kommentare

  1. Markus Schwendimann
    13. September 2018
    Antworten

    Gutes Review Mel. Ich werde bei der X-T2 bleiben. Für die Landschaftsfotografie drängt sich die X-T3 nicht auf.

    • 17. September 2018
      Antworten

      Danke für den Besuch und das Kompliment Markus!

  2. Katja
    16. September 2018
    Antworten

    Schöner Bericht. Weswegen drängt sich denn die T3 nicht für Landschaftsfotografie auf?

    • 17. September 2018
      Antworten

      Vielen Dank Katja! Ich denke, Markus meint (…korrigiere mich, wenn ich falsch liege…) im Direktvergleich zur X-T2, welche an sich ja eine geniale (Landschaft-)Kamera ist. Die X-T3 spielt in Sachen Geschwindigkeit & AF in einer anderen Liga, aber beim eher statischen Fotografieren von Landschaften fällt dies etwas weniger ins Gewicht als bswp. bei Tier- oder Sportfotografie. Wobei ich die X-T3 durchaus auch für eine geniale Landschaftkamera halte, zumal auch in Sachen Bildqualität (Stichwort Dynamic Range) noch einmal eine deutliche Verbesserung festzustellen sein dürfte (…ich habe, wie gesagt, die RAWs noch nicht vergleichen können…) 🙂

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