Neues Jahr, neues Kamera-System!

Eingen ist es bereits in meinen Social Media – Kanälen aufgefallen: ich ging in den letzten Tagen und Wochen meiner jahrelang geliebten Canon wiederholt fremd. Aus dieser Affäre entwickelte sich kurzum ernsthafte Liebe. Ja, ich will! Ab sofort fotografiere ich mit dem Fujifilm X – System!

Ich erinnere mich noch gut an die Tour über den Aletschgletscher im vergangenen Sommer. Im schier endlosen Schlussaufstieg zur SAC-Hütte drohte ich beinahe, unter dem schweren Kamerarucksack zusammen zu brechen. „Was mache ich hier eigentlich?“ fragte ich mich abermals. Um es dann bei der Lichtshow am nächsten Morgen wieder zu wissen. Und dennoch blieb ein Gedanke stets im Hinterkopf: „das muss doch auch leichter gehen!“.

Ich habe nie daran gezweifelt, dass Fujifilm tolle Kameras für Landschaftsfotografie baut. Die Bilder befreundeter Fotografen wie Oliver Wehrli, Patrik Oberlin oder Nelson da Silva sprechen für sich. Wo ich hingegen etwas skeptisch gegenüber einem spiegellosen System war, ist der ganze Wildlife-Bereich. Dazu muss ich erwähnen, dass ich dafür am liebsten freihand arbeite. Im Gegensatz zum eher enstpannten und statischen Arbeiten vom Stativ aus, muss es bei der Tierfotografie oft rasch gehen. Da sind mir Sachen wie treffsicherer & schneller Autofokus oder eine hohe Framerate bei Serienbilder, aber auch entsprechendes Glas und die Haptik einer Kamera sehr wichtig. Alles Sachen, in denen Canon (für mich) top war.

Warum also weg vom Marktleader? Schliesslich bin ich quasi mit Canon aufgewachsen; die EOS 350D war meine erste Kamera, gefolgt von der 20D, der 50D bis hin zu meiner ersten Vollformat, der 6D. Meine aktuellen Kameras, die 7D II und die 6D II kann ich blind bedienen, ich kenne ihre Stärken & Schwächen genau. Und nun wage ich mich an ein komplett anderes, teilweise sogar manuelles System!

Ja, ich muss zugeben, davor hatte ich ziemlich Respekt. Doch rückwirkend habe ich mich erstaunlich rasch an das Bedienungskonzept der Fujifilm X-T2 gewöhnt. Und mehr noch: ich habe richtig Spass daran, liebe die manuellen Einstellungen der Blende mittels Objektivring oder der Verschlusszeit & ISO an den praktischen Auswahlrädern. Und dies alles in einem schicken, kompakten und leichten Design! Wer viel in den Bergen unterwegs ist oder das Zittern beim Wiegen des Handgepäcks am Flughafen kennt, weiss was ich meine…

„Aber warum willst du denn weg vom Vollformat?“ hörte ich die letzten Tage oft. Gegenfrage: welche Vorteile bringt mir Vollformat? Und hier wirds jetzt extrem subjektiv – wer wissenschaftliche Tests/Vergleiche lesen will, befrage Google…

  • Bildqualität? Keine Abstriche. Dynamic Range im Vergleich zu Canon gefühlt sogar besser.
  • Schärfe? Mit dem richtigen Glas (und einige Fujinon-Objektive sind wirklich erstklassig!) keine Abstriche.
  • ISO-Rauschen? Gefühlt keine Abstriche, wobei ich bspw. Milchstrassen-Fotos noch nicht getestet habe. Allerdings: wie oft mache ich solche Fotos heutzutage noch?
  • Geringere Auflösung? Einverstanden, kann ein Kriterium sein. Gegenüber meinen beiden Canon-Kameras (24MP) aber keine Abstriche.
  • Crop-Faktor / grösserer Schärfentiefenbereich? Kann ebenfalls ein Kriterium sein, insb. für Studio-/Portraitfotografie. Mit APS-C ist freistellen schwieriger. Aber in meinem Anwendungsbereich ist dies eher von Vorteil: in der Landschaftsfotografie will ich durchgehende Schärfe, die habe ich hier bereits mit einer „guten“ Blende 8. In der Wildlife-Fotografie bin ich dank des Crop-Faktors näher dran.

Warum also soll ich nicht von einem kleineren Sensor, der eine kompaktere Bauart für Kamera & Objektive ermöglicht, profitieren? Ganz zu schweigen von dem wirklich hervorragenden elektronischen Sucher (EVF), der Hyperfokaldistanz-Vorschau, Focus Peaking, Boost-Modus etc. Während die beiden grossen Kamerahersteller eher auf Bewährtes setzten, haben kleinere Mitbewerber wie Fujifilm viel Innovation vorangetrieben. Und werden es auch in Zukunft tun, davon bin ich überzeugt!

Ich konnte die Fujifilm X-T2 nun mehrere Wochen ausgiebig testen. Meine anfängliche Skepsis in Sachen Wildlife sind rasch verflogen – passenderweise bei der Vogelfotografie. Auch Extremsituationen wie zweistellige Minustemperaturen auf dem Gornergrat hat die „Kleine“ bravurös gemeistert (was man btw. vom noch kleineren iPhone nicht behaupten kann…). Akkuleistung / -verbrauch ist kein Problem, ich kann 100er-Filter benutzen und schleppe meist nur noch das leichte Reisestativ mit.

Alles perfekt also? Nein, ich muss ehrlich sein und zwei, drei Abstriche machen. So liegt mir beispielsweise die Canon 7D II einfach besser in der Hand – auch wenn ich die X-T2 mit einem Batteriegriff ergänze. Schwer zu sagen, wie viel hier einfach „Gewohnheitssache“ ist. Gewöhnt habe ich mich beispielsweise auch ans Fokussieren mittels Touch-Screen an der Canon 6D II, während ich davor in der Landschaftsfotografie ausschliesslich manuell fokussierte. Somit vermisse ich aktuell den genialen Flip-Touch-Screen der 6D II ein bisschen.

Allerdings sind dies Abstriche, mit denen ich gut leben kann. Für mich überwiegen die Vorteile ganz klar. Aber wie gesagt, das ist durchaus subjektiv. Schlussendlich ist die Kamera „nur“ ein Werkzeug, gute Bilder kann man heutzutage mit allen Systemen machen. Das Werkzeug muss einfach zu einem passen, man muss sich damit wohl fühlen und – das wichtigste – Spass daran haben! Und glaubt mir, ich hatte die letzten Wochen unglaublich viel Spass und freue mich auf viele weiteren Abenteuer mit meinem neuen Begleiter!

15 Kommentare

  1. 4. Januar 2018
    Antworten

    Ein interessanter Bericht Mel,
    Viele deiner Eindrücke kann ich nach meinem Welchsel von Nikon zu Fuji vor ca. 1 Jahr gut nachempfinden. Besonders bei den Themen 100er Filter, Hyperfokalsimulation und dem geringeren Gewicht komme ich noch heute ins schwärmen.
    Ich wünsche Dir viel Spass mit der X-T2 und gutes Licht! 🙂

    • 5. Januar 2018
      Antworten

      Danke Patrik! Jetzt müssen wir dann mal wieder zusammen los 🙂

  2. 4. Januar 2018
    Antworten

    Schön geschrieben Mel und gratuliere zum weisen Entscheid!:). Du wirst auch weiter viel Freude haben und ich wünsche dir stets tolles Licht dazu. Übrigens auch wunderbare Beispielbilder!
    P.S. Danke für die Erwähnung im Bericht:).

    • 5. Januar 2018
      Antworten

      Danke dir & sehr gerne geschehen 🙂

  3. 4. Januar 2018
    Antworten

    Interessanter Bericht. Allerdings ist die 7DII ja auch APS-C. Aber was ist mit dem Ersatz fürs 100-400II? Und ist der Autofocus der XT-2 so schnell wie jener der 7D?

    • 5. Januar 2018
      Antworten

      Danke Jonny. Fuji hat ebenfalls ein 100-400er, welches dem (wirklich tollen!) von Canon in nichts nachsteht. Das Bild des Tannenhähers habe ich bspw. damit aufgenommen. Beim 100% Crop des Auges siehst du die beindruckende Schärfe & Detailwiedergabe 🙂 Der AF der X-T2 ist gefühlt gleich schnell wie der der 7D II und das Tracking ist genial. Hatte praktisch nie einen Fehlfokus!

    • 5. Januar 2018
      Antworten

      Hey Raphi, merci viel Mal! Hab mir grad eure neue (?) Website angeschaut – sehr schön gemacht, bravo!

  4. Rainer
    5. Januar 2018
    Antworten

    Hei Mel, das Wichtigste ist doch die/der Fotograf(in) – wie du ja auch schreibst. Und die Ergebnisse mit der X-T2 sehen sehr sehr gut aus. Und das mit der Schlepperei ist für mich schon auch ein wichtiges Argument (das macht mir mit meiner 7D und 70-200 + weitere Objektive auch wenig Spaß), wobei auf Schweizer Berge schleppe ich das Equipment dann doch gerne 🙂

    Alles Gute für 2018 und ich freue mich schon auf weitere Berichte/Bilder.

    • 8. Januar 2018
      Antworten

      Vielen Dank Rainer! Wünsche dir ebenfalls alles Gute fürs 2018 und hoffe, du kannst oft in unsere Berge 😉

  5. Christoph Feldhaus
    6. Januar 2018
    Antworten

    Glückwunsch, tolle Bilder, v.a. der Blendenstern fällt mir sehr positiv auf. Toll an den Spiegellosen ist auch die Möglichkeit, die Auswirkungen von Blende, WB etc. auf das Bild direkt vor und das Bild dann nach der Aufnahme im Sucher, und der ist bei der X-T2 ja top, beurteilen zu können!

    • 8. Januar 2018
      Antworten

      Danke Christoph! Ja, der EVF der X-T2 ist wirklich genial! Und der Blendestern gefällt mir auch gut, wobei man hier auch erwähnen muss, dass das objektivabhängig ist. Hier habe ich das Fujinon 10-24mm f/4.0 benutzt 🙂

  6. 8. Februar 2018
    Antworten

    Gratuliere zum neuen System! Nach über 12 Jahren APS-C hab ich es irgendwie gesehen, das Bildformat langweilt mich. FF war für mich der Hauptgrund von Fuji & Co. abstand zu nehmen. Das Gewicht nehme ich für das grössere Bild gerne in kauf. Der Dynamikbereich der Fuji entsprechen leider nicht ganz einer handelsüblichen DSLR, Fuji sind zwar hervorragend in den Spitzlichter, aber die Schattenbereiche sind leider sehr schwach ausgeprägt. Verschiebt man das Dynamik-Spektrum liegen dieses nicht viel besser als bei einer normalen DSLR. Fuji-Kameras sollte und muss man sogar ständig überbelichten, dies als kleiner Tip.

    Lieber Gruss und weiterhin viel Spass!

    • 8. Februar 2018
      Antworten

      Interessant, wir gehen in die entgegen gesetzte Richtung 😀 Mit welchem System arbeitest du mittlerweile?

      Das mit dem leicht überbelichten stimmt tatsächlich! In Sachen Dynamikumfang merke ich allerdings keine gravierenden Unterschiede. ABER ich muss auch betonen, dass ich von Canon komme – Nikon ist dem Bereich natürlich um längen besser…

      Liebe Grüsse & danke für den Besuch
      Mel

      • 8. Februar 2018
        Antworten

        Bin wieder zurück im Nikonlager digital sowie analog. Meine Fujis landen demnächst auf Ricardo… Grüsse 🙂

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