Tapsige Pfoten & bettelnde Schnäbel

Frühlingszeit ist Jungtierzeit! Und somit für mich in Sachen Wildtier-Fotografie die wohl schönste Zeit des Jahres. Das einzige “Problem” ist jeweils, dass gefühlt alles gleichzeitig passiert und man sich durch vier teilen sollte… Deshalb habe ich die letzten Jahre begonnen, mich jeweils auf einzelne Arten zu fokussieren. Dieses Jahr war dies beispielsweise der Schwarzspecht. Es hat sich dann allerdings noch einiges mehr ergeben, aber seht selbst:

Dachs – Begegnung am Bau

Es war ein Glücksfall, wie ich ihn mir nicht besser hätte erträumen konnte: Andrea fand einen Dachsbau, bei dem die Tiere bereits vor Dämmerung in ihre Kamerafalle tappten. An meinem alten Wohnort bei Thun hatte ich jahrelang Dachse gleich neben dem Haus, doch – wie die meisten – zeigten sich diese immer erst nach Sonnenuntergang, wenn ans Fotografieren nicht mehr zu denken war. Und hier bot sich uns nun eine einmalige Chance! Wenige Tage später lauerten wir also gut getarnt am Waldrand, bei idealen Windverhältnissen. Und tatsächlich – nach einiger Zeit zeigte sich Bewegung zwischen den Wurzeln und Farnen. Drei Jungdachse, noch tapsig, aber neugierig, wagten sich vorsichtig ins Freie, immer wieder zurückblickend zum Elterntier, das ruhig und wachsam stets in der Nähe war. Ich durfte still beobachten und staunen, wie die Kleinen ihre Welt entdeckten – was für ein magisches Erlebnis!

Wasseramsel – auf Entdeckungstour an der Emme

Die Wasseramsel ist eine Art, die ich schon länger immer wieder gerne fotografiere (siehe auch mein Portfolio). Bei mir an der Emme kenne ich unterdessen einige gute Plätzchen, wo regelmässig gebrütet wird. Den Ausflug der Jungen zu erwischen, ist immer etwas zeitkritisch, denn es sind nur wenige Tage an dem sie sich noch in Nestnähe aufhalten und noch von den Elterntieren gefüttert werden. Wenig später sind sie selbständig und erkunden ihre Welt, respektive den Flusslauf. Und die fleissigen Elterntiere gönnen sich nicht etwa eine wohlverdiente Pause, sondern machen sich bereits an die nächste Brut…

Fuchs – Zwischen Neugier und Vorsicht

Auf Jungfüchse habe ich mich letztes Jahr hauptsächlich fokussiert und wollte dieses Jahr eigentlich nicht sonderlich viel Zeit dafür investieren. Aber wenn es sich gleich so anbietet, kann ich ja schlecht widerstehen – schliesslich sind und bleiben Füchse einfach meine Lieblingstiere! Und ich glaube, dass die diesjährigen Fuchsbabys die Kleinsten waren, die ich je sah. Denn beim ersten Besuch am Bau waren sie wirklich noch winzig. In dem Alter sind sie noch weitgehend blind und das Fotografieren ist – wenn man sich ruhig verhält – sehr einfach. Später wurde es dann anspruchsvoller, da sie ziemlich schnell ihren Bewegungsradius vergrösserten und sich schon ziemlich weit weg vom Bau trauten – natürlich mit Vorliebe ins hohe Gras, wo man sie kaum sieht 😉 Dafür liess sich Mama-Fuchs verhältnismässig entspannt in der Blumenwiese beim Jagen beobachten und fotografieren.

Schwarzspecht – Hungrige Schnäbel im Buchenwald

So, kommen wir nun endlich noch zu meinem eigentlichen Zielfoto: junge Schwarzspechte, die bettelnd aus einer Baumhöhle schauen. Ein Bild, von dem ich seit Jahren träume und auch schon einige Anläufe genommen habe. Bisher ist es aber immer bereits daran gescheitert, das potentielle Höhlen gar nicht erst von Schwarzspechten bewohnt waren. Doch dieses Jahr hatte Jan tatsächlich eine bewohnte Höhle gefunden! Jetzt hiess es also geduldig sein, denn das Zeitfenster, in dem die Jungvögel zur Höhle raus schauen (…und dabei eigentlich bei den Eltern um Futter betteln), ist auch hier sehr kurz: wenige Tage oder sogar Stunden später können sie ausfliegen. Und weg ist dann auch die Fotogelegenheit. Aber ja, was soll ich sagen: es ging alles auf und ich habe sehr Freude an den entstandenen Bildern!

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