Kari das Kamel

Salam! Ich bin Kari, das Kamel. Ich lebe in der Nähe von Essaouira in Marokko. Ich verbringe meine Tage grösstenteils mit Wiederkäuen und Grimassen schneiden. Aber hin und wieder muss ja auch gearbeitet werden. So trage ich Gepäck und Nahrung für Trekkingtouristen aus aller Welt durch die Gegend. Und manchmal auch die Touristen selbst.

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Im April war ich mit Ali und Abi unterwegs. Sie haben eine Schar Schweizer und einen dattelfressenden Österreicher mitgebracht. Wir haben in Timzguida auf sie gewartet und ihnen dort die schweren Rucksäcke abgenommen (jedenfalls denen, die einen dabei hatten). Nach dem gegenseitigen Beschnuppern sind wir dann alle zusammen zum Strand runter gezottelt, wo wir das Nachtlager aufgeschlagen haben. Einige der Gruppe sind sogleich ins Meer gesprungen, kamen dann aber schon etwas auf die Welt, wie frisch das hier bei uns ist. Es gibt schon einen Grund, warum wir Kamele dort nicht schwimmen gehen…

Kamele

Als am nächsten Morgen dann alle gefrühstückt haben, die Zelte abgebaut und die Shrubberies markiert waren, ging es endlich richtig los mit dem Trekking. Wir marschieren in fünf Tagen entlang der Atlantikküste nach Sidi Kaouki. Dabei passieren wir sowohl Arganwäldchen (Heimat von Ziegen mit Identifikationsstörungen. Die Ärmsten meinen, sie seien Kletteraffen…), Berberdörfer, felsige Küstenabschnitte sowie meenschenleere Strände und Dünen. Immer bei letzterem haben die Touristen etwas gemault, der Sand sei etwa gleich mühsam wie Schnee. Was auch immer das sein soll…

Am dritten Tag Kamele Campwaren ein paar der Gruppe wohl froh, als sie endlich das Camp erreichten. Zugegeben, dieser Tagesmarsch war mit über sechs Stunden schon etwas lange. Aber sicher landschaftlich auch der Schönste! Und hätte ich es früher gewusst, hätte ich natürlich schon den einen oder anderen Touristen auf mir reiten lassen. Leider kam ihnen das aber dann erst abends am Strand in den Sinn, nach dem Abi und die andere Touristin mit ihrem Klickapparat uns gefühlte drei Stunden hin und her marschieren liessen.

Kamelreiten

Ich freue mich bei diesen Trekkings immer besonders auf das letzte Camp! Es liegt wunderschön bei der Cascade de Sidi Mbark. Dank des kleinen Süsswasserlaufs ist es hier etwas grüner als gewohnt und wir können nach getaner Arbeit wunderbar äsen und wiederkäuen. Das haben auch die lokalen Ziegen und Esel gemerkt; ebenso Tagestouristen und einheimische Kinder kommen gerne hierher. Nach der Einsamkeit der letzten Tage ist das ideal, um sich wieder etwas an die Zivilisation zu gewöhnen.

Sidi MbarkAli und seine Crew haben den Touristen als Überraschung zwei riesige Portionen Beignets gebacken. Und sie haben tatsächlich alles weggeputzt! Wahrscheinlich müssen sie so viel essen, weil sie nicht wiederkäuen können. Aber unsere Crew zaubert halt auch immer wunderbar leckere und frische Gerichte, so dass sogar Kamele neidisch werden könnten. Nur auf ihren angeblich so leckeren Tee können wir gut verzichten. Bei diesem hohen Zuckergehalt würde uns wohl die Schnauze verkleben. Da ziehen wir Wasser schon vor. Wisst ihr übrigens, dass die Menschen immer noch an den Mythos glauben, dass wir dieses Wasser in unseren Höckern speichern? Genauso wie sie immer Kamele und Dromedar voneinander unterscheiden wollen, dabei ist Kamel doch einfach der Oberbegriff für unsere ganze Tierfamilie. Wer da etwas Licht ins Dunkel bringen möchte, findet hier ein paar lesenswerte Zeilen.

Kari das Kamel

Wir hingegen kommen langsam zu einem Ende – sowohl in diesem Gastblog wie auch auf dem beschriebenen Trekking. Der nächste und letzte Tag könnte man auch als ausgedehnten Strandspatziergang bezeichnen. Für uns hiess es dann Abschied nehmen – unsere Trekkinggruppe zog mit der Blechkutsche richtung Essaouira weiter, wo sie zunächst einige Tage genoss, bevor sie nach Marrakech und Casablanca weiterreisten. Uns erwartet derweil bereits die nächste Gruppe – ob wir es mit dieser auch so lustig wie mit der letzten haben werden?

Weitere Impressionen:

Die ungefähre Route:

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