Spätes Glück mit den Jungfüchsen

“Was machen sie denn da?” fragt mich der Bauer in scharfem Ton. “Ich wollte kurz den Fuchsbau inspizieren” antworte ich und zeige auf das vorderste Loch des mir seit ein paar Jahren bekannten Baus. “Sie sind da aber ohne Erlaubnis durch Privatgelände gelaufen!” Mist, denke ich. Natürlich hat er Recht und ich war mir dessen auch bewusst – ich dachte nur nicht, dass das so schlimm wäre. Schliesslich sind es nur knappe 200m am Rande eines brach liegenden Feldes. Aber ich merke sofort, dass er nicht an einer Lösung interessiert ist, entschuldige mich kleinlaut und muss mir zur “Strafe” noch eine gefühlte halbe Stunde seinen ganzen Weltschmerz (…welcher von lochenden Bibern über gekürzte Subventionen bis hin zu importierten Kartoffeln aus Ägypten reicht…) anhören. Gedanklich traure ich aber nur “meinem” Fuchsbau nach und bin traurig, dass die Saison somit beendet ist, bevor sie überhaupt begonnen hat…

Es war nämlich der. einzige Bau in meiner Nähe, wo ich dieses Jahr Hoffnung auf Bilder hegte. Alle anderen scheinen erneut nicht bewohnt zu sein. Nur wenige Tage später sorgt jedoch ein befreundeter Fotograf abermals dafür, dass sich meine Stimmung wieder erheitert: er hat bei sich in der Nähe Jungfüchse entdeckt und lädt mich ein, zum fotografieren vorbei zu kommen:

Neugierig und ängstlich zugleich strecken die noch sehr kleinen Babyfüchse ihre Nasen zum Bau heraus. Für mich ist es das erste Mal, dass ich so winzige Füchse sehe und auch wenn es nur ein kurzer Moment bei suboptimalen Lichtbedingungen ist, so behalte ich diesen Moment in wunderbarer Erinnerung. Danke nochmals!

Dann geschieht lange nichts. Ein, zwei Mal platziere ich hoffnungsvoll meine Wildkamera neu – jedoch vergebens. Ein bisschen “Trost” bekomme ich von befreundeten Fotografen, welchen es ähnlich geht. Ist es einfach kein gutes Fuchsjahr? Dabei wollte ich doch neben den Birkhähnen diesen Frühling darauf meinen Fokus legen.

Es sollte Ende Mai werden, bis endlich die erlösende Nachricht kommt: “Bei mir hat es doch Füchse, ich habe sie seit ein paar Tagen regelmässig auf der Wildkamera. Sie kommen Morgens gegen 07:30 Uhr raus!” Tags darauf sitzen wir also zu zweit in dem lichten Buchenwäldchen und geniessen die wunderschöne Morgenstimmung. Und warten. Und warten. Es ist mittlerweile bereits 10:00 Uhr – doch immer noch nichts. Gegen Mittag geben wir auf. “Wahrscheinlich liegt es an mir, ich habe wohl dieses Jahr einen Fuchs-Fluch auf mir” entschuldige ich mich halb ernst gemeint.

Wenn ich in all den Jahren Tierfotografie eines gelernt habe: Geduld und Beharrlichkeit! Wenige Tage später sitze ich also wieder dort, und dieses Mal klappt es! Das Gefühl, wenn die erste Spitze eines Fuchsohrs an der Kante des Baus erscheint, ist einfach jedes Mal wieder unbeschreiblich und ich traue mich jeweils kaum zu atmen, geschweige denn, mich zu bewegen. Wenn die erste Nervosität vorüber ist, geniesse ich jede Sekunde in der ich die Füchsli beobachten darf. Und hier habe ich wirklich eine ganz spezielle Rasselbande vor mir – es sind wohl die schönsten Füchse, die ich je fotografieren durfte, denn einige tragen weisse Socken! Manche vier, manche zwei, einer nur einen und andere haben “normale” schwarze Pfoten. Dafür markante schwarze Gesichtszüge. Die einzelnen Tiere lassen sich sehr gut voneinander unterscheiden und ich staune einmal mehr über die Vielfalt und Schönheit der Natur.

Und es kommt noch besser: über Social Media habe ich Kontakt mit einem Fotografen aus meiner Region, der ebenfalls unverhofft doch noch Füchse gefunden hat in einem Bau, der zunächst verlassen schien. Wir wollen uns verabreden, bringen es terminlich aber nicht recht auf die Reihe. Stattdessen lotst er mich per Telefon durch den Wald. Ich Orientierungs-Genie stelle mich wie gewohnt ziemlich dumm an, doch schlussendlich stehe ich tatsächlich vor der aus Ästen selbst gebauten “Tarnwand”. Und nun beginnt auch hier die Warterei. Diese wird einem hier “versüsst” durch tausende gefrässige Mücken. Ich bin vorgewarnt und entsprechend gut gekleidet, aber die Biester kennen nichts und stechen mich eiskalt durch Gesichtsmaske, Handschuhe und Socken. Aber auch das habe ich gelernt: Ausblenden. Weg ignorieren. Die Momente, die ich dann mit den Jungfüchsen geniessen und festhalten darf, entschädigen das allemal!

Ich bin sehr dankbar, dass es nach einem harzigen Start schlussendlich doch noch geklappt hat und bedanke mich auch an dieser Stelle noch einmal herzlich bei meinen “Helfern”! Ich hoffe – nein eigentlich bin ich mir sicher! – dass ihr die Stunden bei den Füchsen ebenso genossen habt & für immer in schöner Erinnerung behalten werdet. Und euch Leserinnen und Leser meines Blogs hoffe ich, mit diesem Beitrag und den Bildern ein bisschen an diesen schönen Momenten teilhaben lassen zu können!

Mehr Fuchs-Fotos gibts in meinem Portfolio.

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