Mit den Ziegen auf die Hannigalp

Kennt ihr das auch? Ihr nehmt euch vor, diesen Samstag endlich mal wieder zu Hause zu bleiben und nichts zu tun. Bestenfalls rasch staubsaugen oder eine Trommel Wäsche über, aber ansonsten einfach gemütlich den freien Tag geniessen, ausschlafen, grosszügig frühstücken und anschliessend ein spannendes Buch lesen oder einen guten Film schauen. Blöd nur, wenn man am Abend vorher per Zufall liest, dass in Saas Fee der Ziegen – Alpaufzug stattfindet…

Saas Fee von Ziegen erobert

Der Rest ist dann eigentlich rasch erzählt: um 6:00 Uhr klingelt der Wecker, um 9:00 Uhr kommt das Postauto in Saas Fee an, um 9:15 Uhr gibts das erste Kafi und um 10:00 Uhr geht der Marsch los. Etwas enttäuscht muss ich feststellen, dass nicht eine einzige Schwarzhalsziege unter den bunt gemischten Tieren ist. Es scheint so, als bringen hier vor allem Berner und Luzerner ihre Geissen zum Sömmern. Aber wir wollen deswegen ja nicht rumzicken 😉

Bündner Strahlenziegen Toggenburger Ziege Gemsfarbige (vorne) und Saanen Ziegen (hinten) Pfauenziege

Dafür ist ohnehin eher das Wetter zuständig. Während nämlich die ganze Schar Toggenburger, Bündner Strahlen, Gemsfarbige, Pfauen- und Saanenziegen die Strässchen Saas Fees erobern, zotteln ihre Bewacher und Zuschauer mit Regenschirmen oder -mänteln nebenher. Die Geissen scheinen das Wetter auch nicht sonderlich zu mögen, schütteln sich immer wieder und nicht alle sind motiviert, den Berg hoch zu laufen. Der Zug zieht sich rasch in die Länge. Während man die übermütigen Tiere vorne schier bremsen muss, gilt es weiter hinten immer wieder Ausreisser zurück auf den Weg zu holen, Sturköpfe anzuschieben oder auch schon das ein oder andere erschöpfte Tier zum Weiterlaufen zu ermutigen.

Störrische oder allzu neugierige Exemplare kommen an die Leine
Mit so vielen eigensinnigen Vierbeinern dauert die Wanderung auf die Hannigalp etwas länger als gewöhnlich. Immer wieder gibt es kurze Pausen für Mensch und Tier, wobei letztere keine Gelegenheit auslassen, alles im entferntesten Essbare (dazu zählen offenbar auch Tannzapfen und Rindenmulch…) anzuknabbern. Beim Restaurant Alpenblick (leider geschlossen) kommt während einer längeren Pause dann tatsächlich noch die Sonne kurz hervor.

Der Sonne entgegen
Wenig später treffen dann die „Zugsführer“ mit den ersten Tieren auf der Hannigalp ein. Bis es auch die letzten Nachzügler geschafft haben, vergeht nochmals eine gute Halbstunde. Mit viel Geduld werden sie von den Älplern, Bauern, Touristen und deren Kindern auf den letzten Meter zu ihrer neuen Weide begleitet. Dort können sie dann entgültig durchschnaufen und werden den Sommer mit saftigem Gras und schöner Aussicht bestimmt geniessen.

 

 

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2 Comments

  1. 24. Juni 2013
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    Wunderbare, unterhaltsame Fotoreportage vom Aufzug auf die Hannigalp. Du scheinst Ziegen ja wirklich gern zu haben!

  2. Karin
    24. Juni 2013
    Reply

    Du hast wieder mal einen zauberhaften Bericht über den Ziegen – Alpaufzug geschrieben. Ich liebe deinen Schreibstil! Die Bilder sind natürlich wider grossartig. Ich freue mich schön auf deinen nächsten Ausflug, den du dann mit uns teilst!

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